Neuigkeiten
10.06.2016, 11:52 Uhr
Presse: Wasser auf der Fischtreppen-Debatte
Cottbuser Wehre stehen unter Denkmalschutz / Talsperre auf lange Sicht nicht durchlässig

Cottbus - Das Land Brandenburg will in Cottbus zwei Fischtreppen für rund 5,5 Millionen Euro errichten. Aus Naturschutzsicht sei das vernünftig, doch der Zeitpunkt falsch. Zu diesem Schluss kommt der Landtagsabgeordnete Michael Schierack (CDU) nach einer Antwort aus dem Umweltministerium. Die Dimensionen sind gewaltig: 150 Meter lang, 3,60 Meter breit, 27 Becken, 28 Trennwände – so lauten die Eckdaten für die Fischtreppe am Großen Spreewehr. Ähnliche Ausmaße sind am Kleinen Spreewehr geplant. Das Vorhaben stößt nicht nur die Stadtverwaltung vor den Kopf, auch der Cottbuser Landtagsabgeordnete zeigt sich irritiert: "In allen Teilen von Brandenburg werden fehlende Landesinvestitionen etwa in die Sicherung der Deiche zum Schutz der Menschen beklagt, aber für zwei Fischtreppen, die die Fische in die Sackgasse Talsperre Spremberg führen sollen, sind 5,5 Millionen Euro vorhanden." Deshalb stellte der Landtagsabgeordnete eine Kleine Anfrage an das Umweltministerium. Nach der Antwort von Minister Jörg Vogelsänger (SPD) kommt Schierack zu dem Schluss: "Sinnvoll sind die zwei Fischtreppen erst, wenn eine Fischdurchgängigkeit der Talsperre erreicht wird." Da es dafür noch keine Planung gebe, sei damit kaum in den nächsten 20 Jahren zu rechnen. Das Ministerium hat eine ganz andere Auffassung. Jörg Vogelsänger erklärt: "Durch den Bau der Fischtreppen in Cottbus wird das Spree-Einzugsgebiet zwischen Cottbus und Spremberg für Wanderfische erschlossen. Die Durchgängigkeit an beiden Wehren in Cottbus ist also von elementarer Bedeutung für das gesamte oberhalb von Cottbus liegende Einzugsgebiet der Spree." Der Minister betont, dass die Spree als überregionales Vorranggewässer auserkoren wurden, das wieder ökologisch durchgängig gemacht wird. An dem Vorhaben beteiligen sind demnach neben Brandenburg, auch die Länder Sachsen und Berlin. "Es besteht also länderübergreifend langfristig das erklärte Ziel, den Fluss auf seiner gesamten Länge durchgängig zu gestalten", argumentiert der Minister und ergänzt: "Dazu gehört natürlich auch die Talsperre, wobei es hierfür noch keine konkreten Planungen gibt." Die Gewässerexperten vom Landesanglerverband Brandenburg und dem Institut für Binnenfischerei in Potsdam befürworten den Bau der Fischtreppen in Cottbus. Sie argumentieren, dass es eine Generationenaufgabe sei, die Spree wieder zu einem gesunden Fluss ohne Hindernisse zu verwandeln. Die hohen Kosten für die beiden Fischtreppen ergeben sich nach Informationen des Ministeriums auch daraus, dass die beiden Wehre unter Denkmalschutz stehen. Die Stadt Cottbus habe darüber hinaus Bedenken bezüglich des Flächendenkmals Mühleninsel angemeldet. Das liegt vermutlich an der schieren Größe der Anlagen, deren Dimensionierung nach Auskunft der Fachleute von Landesanglerverband allerdings auf den neuesten Erkenntnissen beruht. Eine Vielzahl der bisher errichteten Fischtreppen im Spreewald sei viel zu klein und müsste nun aufwendig und teuer umgebaut werden.

www.lr-online.de/regionen/cottbus/Wasser-auf-der-Fischtreppen-Debatte;art1049,5487176